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Die Familie und das Land


Whánau  -  Whenua

(Whánau= Máori Wort für“ Familie“, dessen Bedeutung aber weitaus vielschichtiger ist. Sie umfasst physische, emotionale und spirituelle Dimensionen. Whánau kann vielschichtig, flexibel und dynamisch sein. Durch die Whánau werden die Werte, Geschichten und Traditionen der Vorfahren an die heutige Welt angepasst. Es gibt Rollen und Verantwortlichkeiten für den einzelnen und für das Kollektiv. Die Struktur des Whánau kann von der unmittelbaren Familie bis hin zu viel größeren Kollektiven reichen.)

(Tangata Whenua=Máori Wort für“ Menschen des Landes“ Menschen des Landes bedeutet, der Mensch wird aus der Erde geboren und findet seine Erfüllung, wenn die Erde durch die menschliche Gemeinschaft spricht. Die Welt ist eine große Familie und die Menschen sind Kinder der Erde und des Himmels und Vettern aller Lebewesen. Diese Einheit bedeutet, dass die Natur der ultimative Lehrmeister für das Leben ist.
Traditionelles Wissen wird durch das Erbe inspiriert, das von Generationen zu Generationen mündlich weitergegeben wird.
Menschen des Landes sind diejenigen, die an einem bestimmten Ort Autorität besitzen. Dies beruht auf ihrer tiefen Beziehung zu diesem Ort, die durch ihre Geburt und die Geburt ihrer Vorfahren begründet ist. In dem Maße, indem sich die „Menschen des Landes“ an diesem Ort ausdrücken, gewinnen sie die Autorität und das Selbstvertrauen, sich in der Welt zu behaupten.

(Papatúánuku= Máori Wort für Mutter Erde, sie ist die Grundlage allen Lebens, alles wird aus ihr geboren und von ihr genährt, auch der Mensch. Sie wird als Person betrachtet, mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Geschenken. So hat sich der Mensch um sie zu kümmern, wie um seine Mutter.)

Die soziale Gestaltung indigener Völker, von Beziehungen zu anderen Menschen und zur umgebenden Natur zeigt uns, dass es viele Denk- und Handlungsansätze für Entwicklung gibt. Das Wiedergewinnen unserer eigenen, vielfach verschütteten spirituellen Leitbilder und ethischer Normen zur Bewertung von Natur soll Teil unseres Projektes sein.

Das Familienprojekt soll zum Klimaschutz beitragen, Ernährungssicherheit innerhalb der Familie im engeren und im weiteren Sinn bieten und ein soziales Sicherheitsnetz darstellen.
Die Renaturierung und Umwandlung von degradiertem Land in einen Waldgarten mit hoher Biodiversität und Humusanreicherung soll die Basis für  die Selbstversorgung der „Familie“ mit gesunden Lebensmitteln sein. Es soll ein Lebensraum (Ökosystem) entstehen, in  dem Austausch und das Lernen von der Natur und den Erfahrungen älterer Generationen ermöglicht werden kann.  Der Waldgarten soll auch der Erholung dienen und das sich wieder“ Verbinden“ mit einem Ökosystems, mit der Natur ermöglichen.

Sepp Holzer „AgrarRebell“ und ökologischer Visionär aus den österreichischen Alpen, lernte schon als Kind von der Natur. Als er mit 19 Jahren den elterlichen Krameterhof übernahm, machte er aus dem kargen Bergbauernhof ein ertragreiches Naturparadies mit vielfältigen Wildniskulturen.
Er entwickelte  durch genaue Naturbeobachtung und Experimentieren eigene Methoden, um seinen landwirtschaftlichen Betrieb ohne Kunstdünger und Chemieeinsatz zu führen und auch in kalten Höhenlagen wärmebedürftige Pflanzen zu ziehen.
Sepp Holzers Permakultur /Agrar Ökologie beruht auf eigenen Erfahrungen und ist eine natürliche Form der Landwirtschaft, die auf ein Arbeiten mit den Kreisläufen und Wechselwirkungen der Natur aufgebaut ist. Er hat mit Projekten in aller Welt bewiesen, dass seine Erkenntnisse in den unterschiedlichsten Klima- und Vegetationszonen anwendbar sind.

Seit 2013 bewirtschaften er und seine Frau Veronika im Südburgenland den nunmehrigen „Holzerhof“ mit 9 ha Fläche. Die gesamte Liegenschaft war über 10 Jahre unbewirtschaftet. 2020, 7 Jahre später ist aus dem damaligen brachliegenden Land ein essbarer Wald geworden, der mehr als  ….. verschiedene Arten enthält. Darunter auch Pflanzen tropischen oder subtropischen Ursprungs. Ein stabiles Ökosystem, resilient gegenüber Hitzewellen, Starkniederschlägen und Spätfrösten und ein Vorzeigeprojekt in Sachen Regenerative Landwirtschaft, Klimaschutz und Ernährungssicherheit.

Nicht maximale Erträge, sondern dauerhafte Erträge in einem stabilen System werden für künftige Generationen immer wichtiger werden.

Agroforstwirtschaft zählt zu einer von vielen empfohlenen Anpassungsmöglichkeiten des Weltklimarates zur Verringerung von Risiken durch den Klimawandel

Zur Anwendung im Projekt kommen Techniken, die dem Klimaschutz und dem Erhalt und der Förderung eines natürlichen Ökosystems, bei gleichzeitiger Nutzung zur Lebensmittelproduktion, dienen. Die natürliche Entwicklung einer Fläche zum Wald (Sukzession) soll hier Berücksichtigung finden.

Die Planung beinhaltet eine mehrjährige Entwicklung hin zu einem Waldgarten (1. Jahr – 40+Jahre), bei gleichzeitiger unterschiedlich gestaffelter, jährlicher Ernten von einjährigen aber hauptsächlich mehrjährigen Nutzpflanzen, Beerensträuchern, Kletterpflanzen und Obstbäumen.
Die Pflanzung soll sowohl Nutzpflanzen als auch Pflanzen die der Bestäubung oder als Nahrung von Tieren (zum Schutz der Kulturen)  dienen enthalten. Unter Berücksichtigung des Aufbaues eines Waldgartens werden auch Schatten spendende und das Bodenleben unterstützende – „fütternde“  (also gut schnittverträgliche) Pflanzen eingesetzt. Eine sehr hohe Dichte und Diversität wird angestrebt.

Die angelegten „Reihen“ dürfen sich über die Jahre entwickeln (Aufbau eines vielfältigen und gesunden Bodenlebens). Von einer jährlichen Bodenbearbeitung wird zu Gunsten der Bodenfruchtbarkeit abgesehen (um die Entwicklung eines reichen Bodenlebens, v. a. eines vielfältigen Mykhorizasystems zu gewährleisten).
Das Wurzelsystem der verwendeten Pflanzen wird bei der Planung hinsichtlich Wasserversorgung und „Nachbarschaft“ berücksichtigt. Bei der Pflege werden die kultivierten Pflanzen durch Rückschnitt der Nachbarpflanzen gefördert (kein Jäten!) Der Rückschnitt bleibt vor Ort und dient direkt dem Bodenleben als Nahrung.

Durch die Nutzung der Schichten eines Waldes (horizontal und vertikal) wird wesentlich weniger Fläche für einen sehr vielfältigen Ertrag benötigt. Durch die Diversität bleibt der Fruchtertrag stabil, auch bei einzelnen Ausfällen durch Frost oder anderer Ereignisse. Darüber hinaus entwickelt sich über die Jahre ein Kleinklima, das die Kultivierung von Pflanzen aus wärmeren Gebieten ermöglichen kann.

Der Waldgarten soll über die direkte Nutzung hinaus in diesem  Sinne auch als Versuchs- und Experimentierfläche dienen (Pilotprojekt). Das System Waldgarten  ist erwiesenermaßen wesentlich widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit oder Starkniederschlägen, wirkt Temperatur ausgleichend sowohl bei Hitze als auch bei Kälte und wirkt durch die Kohlenstofffixierung in Boden und Pflanzen dem Klimawandel entgegen.

Die Erstanlage soll in Form einer Hügelbeet Kultur erfolgen. Die Eingriffe- und Pflegemaßnahmen sollen erst nach Beobachtung, Betrachtung und Überlegung mit Bedacht und dynamisch mit der Entwicklung des Waldgartens in erster Linie in Form von Schnittmaßnahmen getätigt werden. Pflanzenschutz- und oder Düngemittel sind in diesem System weder in synthetischer  noch in biologischer Form notwendig.

Durch die lokale Produktion vielfältiger Obst und Gemüsekulturen gewährleistet das Familienprojekt die Versorgung mit gesunden, biologisch produzierten  Lebensmitteln, das wieder in Kontakt treten mit der Natur, die uns nährt und die Teilhabe an einem Ökosystem, das Zusammenkommen und den Austausch mit Menschen verschiedener Generationen, der Familie im engeren und weiteren Sinn.

„Hoffnung ist nicht Optimismus
Ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht
Sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat,
ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht“

Vaclav Havel